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Vorwort von Professor Seidler
Wer nach 60 Jahren anhand von notgedrungen knappen Tagebuchaufzeichnungen eine so detaillierte Darstellung über einzelne Kriegsverläufe schreiben kann wie der Autor, muss ein phänomenales Gedächtnis haben. Wenn dazu noch schriftstellerisches Talent kommt, entsteht ein lesenswertes Buch. Man liest es nicht nur, weil es informativ ist, sondern auch, weil es spannend geschrieben ist. Jeder Leser, der bereit ist, Einzelschicksale nachzuvollziehen, wird zu würdigen wissen, welchen Strapazen der deutsche Infanterist an der Ostfront ausgesetzt war, wie sehr sein Leben von guten militärischen Führern abhing, welche katastrophale Folgen Fehlentscheidungen auf der höheren Kommandoebene hatten und wie wichtig die Gruppenzusammengehörigkeit war. Man kann das Auf und Ab der Frontbewegungen im Einzelnen – quasi von Woche zu Woche – nachvollziehen und erduldet mit, wie schwer das Leben des einfachen Soldaten war. Sogar die taktischen Probleme von Verteidigung und Rückzug werden verständlich. Glück, Intuition und Improvisation waren die zentralen lebenserhaltenden Faktoren für den Einzelnen. Über die Fronterlebnisse deutscher Soldaten gibt es viele Darstellungen, meistens aus der Perspektive von Offizieren. Ich kenne keine, die aus der Sicht des einfachen Infanteristen so detailliert schildert, was damals geschah. Schockerlebnisse gab es zuhauf: die ersten Schwerverwundeten, sterbende Kameraden, leprakranke Frauen, gefangene Rotarmisten, und über allem stand die uneingestandene Angst. Tapferkeit und Mut, anerkannte soldatische Tugenden, konkurrierten mit Ausweglosigkeit, Verzweiflung und Hilflosigkeit, Die Auseinandersetzung mit Töten und Sterben angesichts von Leichen, Kadavern, Verwundeten und Sterbenden, die dauernde Gefährdung, z. B. im Grabenkrieg, im Hagel von Bomben und Granaten, bei Massenangriffen am Maschinengewehr, beim Stellungswechsel, Munitionsmangel, Waffendefekte, unzureichende Verpflegung, mangelhafte Kleidung und die unvorstellbaren hygienischen Bedingungen mit der Plage von Mücken, Läusen und Ratten waren Wegbegleiter des Landsers an der Ostfront. Mit Episoden aus dem Soldatenalltag schildert der Autor, was man damals unter Kameradschaft, Opfer, Vaterland und Ehre verstand, Begriff, die heute fremd geworden sind. Kriegstagebuchähnliche Ausführungen und persönliche Erinnerungen halten sich die Waage. Sie machen das Buch auch zu einer informativen Lektüre. Selbst der Fachmann erfährt vieles, was er nicht wusste. Die waffentechnischen Angaben können selbst Spezialisten befriedigen. Aufgrund seiner Notizbucheintragungen kann der Autor genaue Zeit- und Ortsangaben machen, so dass die Frontbewegungen der Kompanie, in der er diente, im Einzelnen verfolgt werden können. Aber am beeindruckendsten sind die Alltagsdarstellungen. Sie formulieren Unvorstellbares. Am Schluss des Buches bedankt sich der Autor bei seinem Herrgott, der ihn den Zweiten Weltkrieg hat überleben lassen, auch wenn dieser furchtbare Krieg ihm die schönsten Jugendjahre geraubt und seine Berufsausbildung gestört hat. Der Dank wird verständlich, wenn man das Buch gelesen hat. Dann weiß man, wie oft die Engel ihre Hand über ihn gehalten haben. Im Landserjargon hieß das verklausuliert »Schwein gehabt«. Die Zeichnungen, die der Autor damals in seinen Skizzenblock eingetragen hat, zeigen, was ihm zu dieser Zeit wichtig war und was er als Erinnerung festhalten wollte. Sie sind zeitbedingt. Architekturzeichnungen stehen aufgrund seiner Ausbildung im Vordergrund. Niemand wird das Buch ohne persönlichen Gewinn aus der Hand legen.
Prof. em. Dr. Franz W. Seidler Universität der Bundeswehr München
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