|
Leseprobe (Seiten 49/86/124 und 133 der 2. Auflage)
Nicht klarkommen
Tust du dich schwer, klarzukommen? Möchtest du Klarheit gewinnen und findest doch keine? Schaust du auch genau an, was dir noch unklar ist? Oder scheust du dich davor, so als ob du dabei etwas entdecken könntest, was nicht zum Vorschein kommen darf? Liegt dir Klarkommen zwar schon am Herzen, aber macht es dir auch Angst, klar herauszukommen mit dem Deinigen, dich ungeschminkt sehen zu lassen? War es früher einmal heikel, dich klar zu äußern: deine Meinung offen zu sagen, deine Gefühle unverstellt zu zeigen, deinen Willen ehrlich kundzutun? Gab es dann Vorhaltungen von manchen Menschen? Kam eher Kritik von ihnen am Deinigen, als dass sie sich gegenübergestellt und das Ihrige klar mitgeteilt hätten? Hast du solches öfter erfahren und daraus gelernt, lieber auch selbst unklar zu bleiben? Aber jetzt: Regt sich das Bedürfnis in dir, doch wieder klar zu kommen? Wenn du dich davon leiten lässt, wirst du wach werden für deine Gefühle, für dein Ja oder Nein. Licht kommt so in dein Erleben und wird es dir erleichtern, dass du selbst eher klarkommst.
Sich behaupten müssen
Ist es dir lästig, dich behaupten zu müssen? Findest du es anstrengend, dich selbst zu behaupten? Aber erscheint es dir nötig, dies zu tun? Kommst du dir ohne dem enthauptet vor? Wo ist dein Haupt, dein eigener Kopf? Hat man ihn dir als Dickkopf ausgeredet? Hast du dir abgewöhnt, ihn zu gebrauchen? Vermeidest du tunlichst, dein Haupt zu erheben, um nicht als überheblich verschrieen zu werden? Wagst du nicht mehr, dich aufrecht den andern gegenüberzustellen: Man könnte erkennen, wonach dir der Sinn steht, und dich eigensinnig finden?! Versuchst du, dafür keinen Anlass zu geben und ordnest dich unter? Aber erlebst du es dann als Problem, dich zu behaupten? Du kannst um die Erlaubnis kämpfen, dein Haupt aufrecht tragen zu dürfen. Weniger Kraft raubend ist es, dein vorhandenes Haupt selbst zu achten und dich aufzurichten.
Auseinandersetzung scheuen
Auseinandersetzung, scheust du die? Wünschst du dir immer nur Einssein? Aber was machst du, wenn eure Bedürfnisse, eure Meinungen auseinander liegen? Möchtest du dann nicht auch deinen Platz haben neben dem andern, auch bei Verschiedenheit mit dem Deinigen da sein können? Auch auseinander, trotzdem in der Nähe des andern dich setzen können, das würdest du gerne? Aber glaubst du, nur für einen gibt es Platz und dieser Platz muss erfochten werden? Kennst du statt Sich-auseinander-Setzen nur Gegeneinander-Anrennen, Übereinander-Herziehen, Aneinander-Zerren, Miteinander-Kämpfen, Aufeinander-Einschlagen, Sich-ineinander-Verkeilen? So dass nichts auseinander, sondern alles nur umso mehr durcheinander ist? Meinst du, du musst dich durchboxen, es ginge um Sieg oder Niederlage? Ist dir fremd, dass du mit dem Deinigen einfach da sein und dich mit dir Wichtigem auch durchsetzen kannst, indem du auf deinem Platz beharrst? Befürchtest du, dass Zusammen-Sein mit dem andern dann aus ist; dass es zum Auseinander-Gehen führt, und das für immer? Aber passiert Letzteres durch Sich-auseinander-Setzen oder durch das, was oft stattdessen geschieht? Bei Uneinigkeit im Blick zu haben, sich auseinander setzen zu können, trägt dazu bei, dass Sich-Zusammensetzen erstrebenswert erscheint: Jedem seinen Platz einräumen und aufeinander hören. Dann hat Annäherung eine Chance.
Emotionen nicht im Griff haben
Beklagst du, dass du deine Emotionen nicht im Griff hast? Inwiefern ist dies für dich ein Problem? Beklagst du, dass du deine Emotionen zu wenig begreifst und nicht bewusst damit umgehen kannst? Oder klagst du dich dafür an, dass du starke Gefühle hast und nicht fähig bist, diese fest im Griff zu haben? – Lässt sich Wasser in den Griff nehmen? Möchtest du keine Gemütsbewegungen spüren? Oder verlangst du von dir, sie müssten unbemerkbar bleiben? Willst du emotionslos, rein sachlich auf deine Mitwelt reagieren? Sachlich, auf tatsächliches Geschehen bezogen, oder so, als ob du selbst eine Sache wärst? Sachlich reagieren kann vernünftigerweise doch nur bedeuten, dich mit deinem Handeln auf die Sache, die Realität zu beziehen. Und gehört zu dieser nicht, dass sie dich auch innen bewegt? Aber vernachlässigst du diese subjektive Seite gegenüber der objektiven? Ist dies so, weil dir dieser Teil der Realität für dein Handeln nicht wichtig ist? Oder bist du nur nicht gewohnt, auch darauf zu achten? – Gab es in deiner Kindheit keine Beachtung dafür, wie dir gefühlsmäßig zumute war? Hast du gelernt, deine Emotion wäre unangebracht, sie dürfte nicht sein? Versuchst du deshalb, sie zu verbergen – in geschlossener Faust, bis sie geballt deiner Hand entgleitet? Wenn du eine gefühlsmäßige Regung nicht haben willst, passiert leicht, dass sie unbemerkt dich hat und dich blind mitreißt. Diese Gefahr schwindet, wenn du deine Emotionen dir lässt und wach damit umgehst.
|
|