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Heinz Dörsch: Und sie reisten ohne Straßen
Roman

 

Inhalt

Die Schicksale ganz unterschiedlicher Persönlichkeiten in den letzten Kriegstagen und der unmittelbaren Nachkriegszeit in Deutschland 1945 stehen im Mittelpunkt dieses Romans. Da ist z. B. der junge gutmütige Hans Kleinert, der von der Schulbank weg an die Front berufen wird und dort Harry Kiepe begegnet, der sich mit nicht ganz ehrlichen Methoden geschickt durch Fronteinsatz, Gefangenschaft und Nachkriegszeit zu mogeln versteht.
Oder die Musikstudentin, deren Lebensziele sich nach einem US-Tieffliegerangriff gänzlich verändern müssen, und der Lieder- und Balladensänger Raiser, der aus dem KZ fliehen kann, sowie der Schauspieler Börnauer, der als eingezogener Wehrmachtssoldat eine Liaison mit der reichen Frau seines Vorgesetzten beginnt.
Heinz Dörsch zeichnet bis in die Gedanken und Gefühle seiner Romanfiguren hinein interessante Charakterportraits, wie den erstaunlichen Sinneswandel eines Lehrers, der, eben noch ein glühender Verfechter und Nutznießer der Naziideologie, nach kurzem Untertauchen sein Fähnchen nach dem Wind dreht und mit genügend Opportunismus seine Rehabilitierung erlangt.

 

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Autorenporträt
 

 

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Heinz Dörsch gerät als Siebzehnjähriger kurz vor Kriegsende in amerikanische Gefangenschaft. Glücklicherweise kommt er aber schon im Juni 1945, als die Amerikaner Thüringen den Russen übergeben, wieder zurück in seine Heimatstadt Eisenach.
Bereits zwei Wochen danach beginnt Heinz Dörsch dort seine künstlerische Laufbahn als Schauspieler. In dem nächsten Jahrzehnt folgen Engagements an diversen ost- und westdeutschen Bühnen. Nach einem Jahrzehnt interessiert ihn allerdings das Regiefach mehr als das abendliche Rollenspiel und er führt fortan Regie.
Als Heinz Dörsch 1966 in München mit Filmleuten Kontakt bekommt, konvertiert er ganz zu dieser Kunstsparte und gründet 1969 in der bayerischen Hauptstadt seine eigene Filmproduktion.
In all den Jahren hat Heinz Dörsch in seiner ihm verbliebenen Freizeit noch geschrieben. Lyrik, satirische Verse und Balladen (z.B. für den damals hochangesehenen Münchner "Simplizissimus"); dazu Novellen, Theaterstücke, Drehbücher und auch das nun hier vorliegende Buch "Und sie reisten ohne Straßen", ein Nachkriegs-Episodenroman.

 

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Pressestimmen

www.genussmaenner.de Juli 2009:
Deutschland 1945. Heinz Dörsch ist siebzehn Jahre alt und erlebt die Nachkriegszeit in seiner Heimatstadt Eisenach. Er wird Schauspieler, Regiseur und Autor. Mehr als ein halbes Jahrhundert nach Kriegsende schreibt er das vorliegende Buch "Und sie reisten ohne Straßen".
Im Mittelpunkt seines Nachkriegsepisoden-Romanes stellt Autor Dörsch mehrere Personen und deren letztendlich verwobene Schicksale. Eine der Hauptpersonen ist der junge Hans Kleinert: Er wird in den letzten Kriegstagen von der Schulbank an die Front berufen, überlebt mit viel Glück und gerät in amerikanische Gefangenschaft. Hier trifft er seinen früheren Landser-Kameraden Harry Kiepe wieder, der sich als Überlebenskünstler erweist und Kleinerts Schicksal so manche Wendung gibt.
Und auch dem Lieder- und Balladensänger Raiser kommt eine gewichtige Rolle zu, um dem Leser den damaligen Umbruch vor Augen zu führen. Als ehemaliger KZler wird Raiser von den Russen als Ortsvorsteher eingesetzt, nur um später abermals hinter Gittern zu landen. Sein Erzfeind, ein ehemals brauner Dorflehrer, sympatisiert nun mit den Russen und wird rehablitiert. Schauspieler Börnauer hingegen beginnt als heimkehrender Wehrmachtssoldat eine Liaison mit der reichen Frau seines früheren Vorgesetzten. An weiteren weiblichen Protagonisten mangelt es freilich nicht: So landet Kleinert im Bett einer exotischen Übersetzerin und trifft schließlich seine erste große Liebe, eine Musikstudentin, deren Lebensziele sich nach einem US-Tieffliegerangriff gänzlich verändern mussten.
Das Schicksal kreuzt mehrmals seine Wege "und sie reisten ohne Straßen", wie der Buchtitel treffend beschreibt. Anhand seiner Romanfiguren zeichnet Dörsch die damaligen Zeiten geschickt nach. Ergebnis ist ein unterhaltsamer und spannender Ausflug in die deutsche Nachkriegsgeschichte aus Sicht der "kleinen Leute".
http://www.genussmaenner.de/163.6316.0.0.1.0.phtml

www.roterdorn.de Juni 2009:
Rezension von Noelle
Heinz Dörsch hat ein bewegtes Leben geführt. Er war in amerikanischer Gefangenschaft, aber kam zum Glück wieder frei. Daraufhin war er tätig als Schauspieler und Regisseur. In seiner Freizeit schrieb er schon immer Theaterstücke, Drehbücher und Lyrik. „Und sie reisten ohne Straßen“ ist sein neuestes Werk und handelt vom Ausgang des Zweiten Weltkrieges und den Auswirkungen auf die Deutschen.
In den letzten Tagen des Krieges und der unmittelbaren Nachkriegszeit 1945 kommt es zu vielen Umbrüchen. Heinz Dörsch erzählt von den Schicksalen verschiedener Menschen in dieser Zeit, wie zum Beispiel dem von Gisela Hallner. Sie ist Musikstudentin und hat große Pläne für ihre Zukunft. Als ein Zug bombardiert und getroffen wird, ist sie unter den Verletzten. Sie überlebt, aber muss von nun an mit einem versteiften vorderen Ringfingergelenk leben, was ihren Traum Konzertpianistin zu werden unmöglich macht.
Ein anderes Schicksal ist das des Hans Kleinert, der als 18-jähriger an die Front muss und in amerikanische Gefangenschaft gerät. Dort lernt er Harry Kiepe kennen, der sich mit allerlei Gaunereien durchschlägt und letztendlich dafür sorgt, dass Kleinert und er wieder die Freiheit erlangen. Dann sind da noch der Lieder- und Balladensänger Raiser und der Schauspieler Börnauer. Raiser gerät wegen einer Falschaussage eines Nationalsozialisten seines Dorfes in das Konzentrationslager Buchenwald. Durch eine kleine List und Hilfe von Mithäftlingen überlebt er den Krieg und das Konzentrationslager. Er sinnt auf Rache und kehrt in sein Dorf zurück, um den Schuldigen dafür zu bestrafen, dass er ganze elf Jahre im Konzentrationslager verbringen musste. Börnauer hingegen, ein eingezogener Wehrmachtssoldat, soll der Frau seines Vorgesetzten etwas überbringen. Sie hat jedoch mehr Interesse an Börnauer als an dem mitgebrachten Paket ihres Mannes. Sie beginnt eine Affäre mit ihm, was ihm nicht so ganz zusagt, da er am liebsten wieder zur Schauspielerei und seinem alten Leben zurückkehren möchte.
All diese Figuren treffen im Laufe des Buches irgendwie aufeinander, sodass ihre Schicksale sich verweben und eine imposante Gesamtgeschichte abgeben.
Dieser Roman beginnt leider sehr schleppend, was nicht zuletzt daran liegt, dass so viele Personen darin vorkommen. Man verliert leicht den Überblick, da die Personen zueinander meist noch eine Beziehung haben oder sich zumindest kennen. Dies hat zur Folge, dass es auch schwierig ist eine Inhaltsangabe zu geben, da alles sehr ineinander verwoben und demnach auch sehr umfangreich ist. Hätte Heinz Dörsch die Kapitel anders benannt oder immer den Namen der Hauptperson, um die es geht, dazu geschrieben, dann wäre dieses Problem beim Lesen wahrscheinlich nicht so groß geworden. Eine kleine Grafik, die die Beziehungen zwischen den Figuren, erläutert, wäre in dem Fall vielleicht auch sinnvoll gewesen. Demnach muss man das Buch auch relativ flott lesen und darf keine größeren Pausen einlegen, da man sonst Gefahr läuft den Faden völlig zu verlieren.
Nichtsdestotrotz handelt es sich um ein großes Werk. Es beleuchtet die direkte Nachkriegszeit und zeigt auf, wie schnell die Menschen plötzlich vom Nationalsozialismus ablassen. Plötzlich will es keiner gewesen sein. Es zählt nur eins: Das eigene Überleben. Dies spiegelt sich in allen Geschichten wieder und zeigt, wie kritisch und gefährlich die Zeit der Kapitulation und der Niederlage war.
Kennt man die Biographie von Heinz Dörsch, so fällt eine Parallele zu der Figur des Hans Kleinert auf: beide kamen in amerikanische Gefangenschaft. Man kann annehmen, dass Dörsch hierbei auch seine eigenen Erfahrungen eingebracht hat, was dazu führt, dass vor allem dieser Teil der Geschichte sehr eindringlich und grausam geschildert wird. Insgesamt gesehen ist der ganze Roman sehr authentisch, was bestimmt nicht zuletzt daran liegt, dass es sich bei dem Autoren um einen Zeitzeugen handelt.
Fazit: Gelungenes Werk über die direkte Nachkriegszeit. Leider verliert man bei der großen Personenanzahl ab und zu den Faden, sodass man manchmal Gefahr läuft das Buch nicht richtig zu verstehen und auf Grund dessen bei Seite zu legen. Dies sollte man jedoch nicht tun, da es sich hierbei um eine gelungene, eindringliche und sprachlich sehr gute Darstellung der Zeit rund um die Kapitulation Deutschlands handelt.
 http://www.roterdorn.de/print.php?xz=rezi&id=13283

 

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