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26.04.2013 

 

 

 TRIGA - Der Verlag Gerlinde Heß

TRIGA-Bestseller: J. W. Günther berichtet als Zeitzeuge in der ZDF-Dokumentation zum Spielfilm "Unsere Mütter - Unsere Väter"  

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Robert Koths: Antarktis - Die Erde wird glühen

 

Leseprobe (Buchseiten 171 - 175)

5 Gartenzwerge

Die Ereignisse überschlugen sich, die Europäische Union
und Russland hatten sich endgültig verbrüdert und die Vereinigten
Staaten spielten Weltkrieg. Sie hatten die Pan-Arabische
Union unter ihre Kontrolle gebracht und bereiteten
offensichtlich eine Tschetschenien-Offensive vor. Aserbaidschan
wurde wirtschaftlich erschlossen, und es baute sich
an den östlichen Ausläufern des Kaukasus eine gewaltige
Militärstreitkraft auf. Russland wollte die natürliche Barriere
des Kaukasus als Grenze seiner Einfl usssphäre gewahrt
halten, und Europa machte sich Sorgen um Neumitglied
Georgien, das politisch noch zwischen den drei einfl ussreichen
Partnern schwankte.
Die Amerikaner verstärkten ihre Aufklärungsfl üge und
drangen mit unbemannten Flügen weit in russisches Gebiet
vor. Das konnte nicht weiter geduldet werden und so entschied
sich die Staatsführung zu einer klaren Stellungnahme.
Sie fl ogen einen massiven Luftangriff auf den amerikanischen
Stützpunkt in der Nähe von Karatschi an den
Ufern des Indus. Das sollte als deutliches Zeichen gewertet
werden, wozu sie bereit wären, im Falle eines Falles. Klare
Kriegshandlungen im Kaukasusgebiet wollten sie zunächst
vermeiden, dazu war diese Gegend zu kostbar. Ein paar Kriegshandlungen vom fernen Afghanistan aus waren keine große Geschichte, da kam es sowieso ständig zu Zwischenfällen.
Seit sie dieses Gebiet mit Deutschland gegen
Königsberg eingetauscht hatten, war es nicht zu wesentlichen
Verbesserungen gekommen. Deutschland hatte auf
die endgültige Übergabe Königsbergs im Tausch gegen das
von Querelen zerfurchte Afghanistan bestanden. Als kleine
Draufgabe hatten sie mit Russland noch ein dickes Ölgeschäft
abgeschlossen, und genau darum ging es auch im
Kaukasus.
Die weltweiten Ölreserven neigten sich dem Ende zu. Folglich
würde es um die letzten Tropfen erbitterte Kämpfe
geben. Die Europäische Union hatte sich zwar während
der lang anhaltenden Kämpfe auf dem Gebiet der Pan-Arabischen-
Union die Ölfelder um Mossul und Kirkuk unter
den Nagel gerissen, wollte ihre Option auf die noch wesentlich
größeren Ölfelder am Kaspischen Meer aber nicht ganz
aufgeben. Um des Friedens willen und mit Blick auf viel
lohnendere Geschäfte hatten die Amerikaner es halt hingenommen.
Rein militärisch wollten und konnten sie es auch
nicht mit Russland und Europa gleichzeitig aufnehmen.
Es war also eine Pattsituation – wie meistens in Friedenszeiten.
Als die amerikanischen Operationen mehr und mehr in
Gang kamen, verschwand auf einmal einer ihrer Flugzeugträger.
Russland wiegelte ab, leugnete jegliche Beteiligung
und gab an, dass sich die Vereinigten Staaten offensichtlich
noch ein paar Feinde gemacht hatten, das sei ja kein
Wunder bei derart expansiver Außenpolitik. Amerika verschwendete
nicht viele Worte und startete den Kaspischen
Krieg mit einem massiven Raketenangriff. Den konnten die
Russen natürlich abfangen und starteten ihrerseits mit dem
Beschuss der feindlichen Stellungen. Europa hielt sich raus,
verstärkte aber die georgische Grenze mit einer erheblichen
Anzahl von Soldaten der Euroschutztruppe. Russland fuhr
die Schwarzmeerfl otte und auch die Kriegsschiffe vom
nördlichen Kaspischen Meer auf, und so stellten sich die
Kontrahenten auf eine lange Schlacht ein.
Kaum hatten sich die Nachrichtensender an die tägliche
Berichterstattung der Kampfhandlungen gewöhnt, sodass
das Interesse der Zuschauer schon wieder nachließ, da
platzte die Nachricht durch, dass Diego Garcia verschwunden
sei. An sich eine unbedeutende Insel, aber ein wichtiger
Militärstützpunkt für die Amerikaner und den gesamten
Indik. Man erfuhr nicht einmal, was los war. Ohne Vorwarnung
verstummte jegliche Kommunikation, und erst ein
Satellitenbild verschaffte Klarheit. Zu sehen war eine riesige
weiße Staubwolke. Die Bilder riefen sofort die Erinnerung
an London wach. Genau der gleiche Maßstab und genau die
gleiche Entwicklung. Ein weißer Brei überzog die gesamte
Inselgruppe und schwamm auch im umliegenden Meeresgebiet.
Es schien klar, dass hier noch eine dritte Macht ihre
Hände im Spiel hatte, aber welche?
Vermutungen machten die Runde, es kursierten Gerüchte
um mögliche Racheaktionen islamischer Terroristen. Aus
Mangel an Beweisen tendierte man aber dann doch eher
dazu, die vierte oder fünfte Großmacht zu beschuldigen, bis
eine merkwürdige Geschichte passierte.
In einigen größeren Tageszeitungen der Vereinigten Staaten
erschien folgende Anzeige, die zunächst keine weitere
Beachtung erlangte:
1 US-Dollar for 1 US-Soldier
Special Offer »Deutsche Gartenzwerge«
For Homecoming Soldiers from Foreign Missions
a discount of 1 Dollar is requested
Price: 13,95 US$, Price for real Patriots: 12,95 US$
come to Pomonona (Kansas)
Am selben Tag explodierte in einem US-Stützpunkt nahe
der kanadischen Grenze eine Atombombe. Tote gab es nicht.
Kurz vorher war per Fax eine Warnung gekommen, die
ernst genommen wurde, sodass die gesamte Gegend rechtzeitig
evakuiert werden konnte. Eigentlich gab es dort außer
Raketensilos und auf der Jagd befi ndlichen Urlaubern weit
und breit sowieso nichts. Pünktlich auf die Minute gab es
dann einen großen Knall und eine enorme Erschütterung.
Eine Rauchwolke gab es nicht. Irgendjemand hatte den
Computer und die Sicherungsanlage manipuliert und eine
der Atomraketen vor Ort gezündet. Die Silos waren atombombensicher,
sodass sich die radioaktive Verseuchung in
Grenzen hielt, und nur eine geringfügige Menge radioaktives
Material gelangte in die Umgebung.
Zwei Stunden später gab es einen Stromausfall in der Nähe
von Kansas City, eben in jenem kleinen Ort Pomonona, wo
die Gartenzwerge verkauft worden waren. Wunder über
Wunder: Vier große Lautsprecher, die am Sportplatz montiert
waren, funktionierten trotz des Stromausfalls und
spielten Beethovens Neunte. Zufall? Oder wollte da irgendjemand
etwas mitteilen? Sollte es vielleicht die EU-Hymne
sein oder wirklich nur Ludwig van Beethovens Meisterwerk?
Egal, die Ermittler der unterschiedlichsten Behörden
fanden sich ein und jede Menge Reporter. Als dann bekannt
wurde, dass der Absender des Faxes mit der Warnung an
den Stützpunkt ebenfalls aus der Gartenzwergfi rma kam,
gesellten sich noch Souvenirjäger unter die Menge und
kauften die kleinen Tonfi guren kistenweise. Die Betreiber
der Gartenzwergfi rma waren deutsche Einwanderer, die
schon eine Ewigkeit in den Staaten lebten. Gewusst hatten
sie nichts, Leute wären gekommen, hätten ihnen Geld gegeben
und die Anzeigen in den Zeitungen bezahlt. Sie hätten
ein paar Vorräte angelegt und die würden sie jetzt auch loswerden.
Irgendwie wirkten sie völlig harmlos und die Tatsache, dass sie über kein Faxgerät verfügten, entlastete sie
zusätzlich.

 

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