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Inhalt
Das Buch vermittelt einen Einblick in die Idee und die Praxis von Playing Arts. Den vielen Interessierten wird erklärt, was unter Playing Arts verstanden wird und welche Erfahrungen man damit machen kann. Es wird berichtet, wie Playing Arts entstand, es werden zentrale Grundcharakteristika erläutert, individuelle Erfahrungen geschildert und konzeptionelle Anregungen aus anderen Bereichen (Bildende Kunst, Theater/Performance, Theologie und Philosophie) für eine Erweiterung des Ansatzes entfaltet.
Weitere Informationen unter www.playing-arts.de
Benedikt Sturzenhecker: Playing Arts wird vorgestellt
In diesem Buch vermitteln wir einen Einblick in die Idee und die Praxis von Playing Arts. Uns, den anderen Mittuenden und den vielen Interessierten wird erklärt, was wir unter Playing Arts verstehen und welche Erfahrungen man damit machen kann. Im Buch wird berichtet, wie Playing Arts entstand, es werden zentrale Grundcharakteristika erläutert, individuelle Erfahrungen geschildert und es werden konzeptionelle Anregungen aus anderen Bereichen (Bildende Kunst, Theater/Performance, Theologie und Philosophie) für eine Erweiterung des Ansatzes entfaltet.
Playing Arts ist eine Tätigkeit künstlerischen Spiels und spielender Kunst für alle, die sich ihr widmen wollen. Playing Arts hat keinen Hochkunstanspruch, wohl aber fordert es auf, sich selbst und seinen Alltag aufs Spiel zu setzen und ins Spiel zu bringen. Playing Arts ist eine selbstbestimmte Gestaltungs- und Spieltätigkeit, die nicht angeleitet, didaktisiert oder genormt werden kann. Der sein eigenes Spiel, seine eigene Spur, sein eigenes Thema gestaltende Mensch – wenn man so will der Playing Artist – steht im Mittelpunkt. Playing Arts heißt, die eigenen Gestaltungspotenziale zu entfalten und Alltag, Routinen, Konventionen und (Selbst-)Hinderungen hinter sich zu lassen, heißt, sich nach eigenen Regeln Neues zu erschließen, sich zu überraschen, sich zu irritieren und sich auf diese Weise zu finden und weiterzuentwickeln. Playing Arts ist keine Therapie, keine pädagogische Anleitung, keine Cliquenwirtschaft, keine Heilslehre, Playing Arts ist eine individuelle und gemeinschaftlich gestaltende Spielhaltung, die man nach eigenem Geschmack entwickelt und die das eigene Leben bereichern kann (nicht muss). Das geht allein, mit anderen in Gruppen, in Alltag und Beruf, an trivialen und besonderen Orten, kurz oder lang, gemeinsam in Bildungsstätten (wie dem Burckhardthaus) und Seminaren oder einfach zu Haus.
Playing Arts entstand aus dem Dialog von Kunst und Spiel, der seit Mitte der 80er Jahre im Rahmen der spiel- und theaterpädagogischen Ausbildung der Arbeitsgemeinschaft Spiel der Ev. Jugend e.V. und dem Burckhardthaus unter Federführung von Christoph Riemer aufgenommen wurde. Es ging damals darum, durch kunstbezogene Spielprozesse zu eigenen Gestaltungen zu kommen. Daraus entwickelte sich die Konzeption und Praxis des 2002 zum elften Male stattfindenden internationalen Sommerateliers in Gelnhausen. Im Reizklima von Kunst und Kultur nahmen die Teilnehmenden ihre eigene schöpferische Spur auf, und es entstanden gattungsübergreifend bemerkenswerte Prozesse und Ergebnisse.
Playing Arts kann bezeichnet werden als die Verbindung von Kunst und Leben durch Spiel. Spiel wird hier im Sinne von Bewegung (sich bewegen) verstanden. Das verdeutlicht die Wahl des ersten Begriffs „playing“, der im Englischen von „game“, „gamble“, „perform“ und „act“ unterschieden wird. Die im zweiten Begriff in die Mehrzahl gesetzten Künste meinen durchaus alle Vorstufen der Kunst, wie z.B. in „Martial Arts“ (Kampfkünste) im Unterschied zu „Fine Art“ (Bildende Kunst). Playing Arts ist gattungsübergreifend, ist eine Spielbewegung, die sich als ästhetische Selbstbildung versteht. Es geht um das selbstbestimmte Aufnehmen der eigenen Spur in Wechselbeziehung mit anderen – und ohne direktive Anleitungen. Während im gewohnten Spielkontext die Beteiligten angeleitet und regelgeleitet das Gleiche tun, ist hier jede und jeder seinem eigenen schöpferischen Prozess auf der Spur. Die Einzelnen schaffen in diesem Prozess immer wieder stimmige Formen, um sie im Wechselspiel miteinander zu teilen und auszutauschen. Durch Rückkoppelungen entstehen weiterführende Ideen. Die Entfaltung des Eigenen endet nicht mit der gemeinsamen Spielsituation, sie setzt sich fort und führt zu eigenen Praxisvorhaben in den jeweiligen Lebens- und Arbeitssituationen. In solchen Spielprojekten und ihrem Wechselspiel wird die Idee von Playing Arts gegenwärtig und anschaulich.
Zur Gliederung des Buches
Die Anordnung der Texte dieses Buches könnte als ein Feld gedacht werden, in dessen Zentrum der Text von Christoph Riemer steht, der die Entstehungsgeschichte, die Essentials und konkrete Beispiele von Playing Arts verbindet. Christoph Riemer hat das Erfahrungs- und Entwicklungsfeld von Playing Arts bereitet, gepflegt und erweitert. Das geschieht in Kooperation und Verbundenheit mit vielen Anderen und doch ist Christoph Riemer der zentrale Impulsgeber und Gestalter der Playing-Arts-Idee.
Was als ein Feld, als ein Neben-, Mit- und Zueinander gedacht werden muss, kann im Buch hier nur nacheinander abgedruckt werden. Deshalb folgen vier Aufsätze aufeinander, die man sich als rund um den zentralen Text von Christoph Riemer gruppiert vorstellen kann. Zwei versuchen eine begriffliche Klärung und konzeptionelle Einordnung von Playing Arts. Zum einen der Aufsatz von Benedikt Sturzenhecker, der Playing Arts in Bezug zur Debatte um Bildung setzt, zum anderen der von Rainer Buland, der einige wichtige Aspekte von Playing Arts reflektiert. Zwei weitere Texte, die sich um Riemers Aussagen ordnen, gehen von persönlichen Erfahrungen mit Playing-Arts-Prozessen aus und verdichten sie zu Kernelementen der Playing-Arts-Experience. Kati Kroß analysiert ihren Spielprozess im Rahmen eines Kurses der Spiel- und Theaterausbildung der Arbeitsgemeinschaft Spiel der Ev. Jugend e.V.; Else Natalie Warns zeichnet die Entwicklung der eigenen Gestaltungsarbeit im Sommeratelier 2001 nach, auf der Folie des konzeptionellen Rahmens dieser Playing-Arts-Gelegenheit.
Die fünf folgenden Texte erweitern, kommentieren und transformieren die Idee von Playing Arts. Sie markieren Übergänge und stellen Kontakte her zu anderen Feldern: zur Bildenden Kunst, zu Theater und Performance, zu Theologie und Philosophie. Für Playing Arts klären sich so eigene konzeptionelle Herkunft und Verwandtschaft, Grenzlinien des eigenen Feldes und Verbindungen zu anderen Zusammenhängen – sicher werden durch diese Impulse aber auch Weiterentwicklungen angestoßen. Christian Weller erzählt die Entstehungsgeschichte zweier Künstlervideos von Ingeborg Lüscher nach und beschreibt die Bedeutung des Spiels dabei als Inhalt wie Arbeitshaltung. Die bildende Künstlerin Lili Fischer schildert in einem Interview die Entwicklung eigener Projekte. Die Arbeiten und Arbeitsweisen bildender Künstler und Künstlerinnen sind wichtige Anregungen für Playing Arts. Dem Ansatz besonders verbunden sind außer Lilli Fischer und Ingeborg Lüscher unter anderen Denis Beaubois, Hella Behrendt, Birgit Hölmer, Gabriele Undine Meyer, Burckhard Scheller, Suvat. Die Regisseurin und Theaterpädagogin Ulrike Hanke sucht in ihrem Text das Verhältnis von Playing Arts und „Performing Arts“ zu fassen und findet deren gemeinsames Feld in „performativen Essays“. Der Theologe Gerhard Marcel Martin bringt ästhetische und religiöse Lebens- und Denkbewegungen in einen Dialog und zeigt Gemeinsamkeiten von Spiritualität und Playing Arts. Der Philosoph Prinz Rudolf zur Lippe fasst den Eros, bezugnehmend auf Platons „Gastmahl“, als Gott des Dazwischen, der ins Spiel führen kann. Er versteht Spiel als „Losungswort, durch das Eros wieder Zugang zu unserer Menschlichkeit erhalten kann“. Der Spielzug, der Gliederung, der als Bogen von der Konzpierung von Playings Arts zur Weitung des Spielbegriffs führt, springt von dort weiter und weist über das Buch hinaus in eine anderes Medium der Inszenierung: die Website „www.playing-arts.de“, vorgestellt von Heinz Grasmück.
Die im Buch vorgestellten Markierungen des Playing-Arts-Feldes sind keine für immer festgesetzten Grenzsteine, eher „stepping stones“, also Steine, die einen erreichten Stand bezeichnen, von denen man aber weiterspringt. Während diese Texte publiziert werden, bewegen sich die Spiele der Playing Artists bereits weiter zu neuen Entdeckungen. Deshalb ist auch das Buch nicht unbedingt von vorne nach hinten zu lesen, sondern man kann sich mit den Elementen sein eigenes Spiel legen und erlesen.
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